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Veröffentlicht: 18. August 2011; Aktualisiert: 15. Sept '11, 21. Feb. '12

Was kostet Elektromobilität?

Kosten des Betriebs von Elektroautos

Von Klaus Theißing
(
Klaus.Theissing@energie-fakten.de)

Antwort

Theißing
Klaus Theißing
Sceenshot Elektromobil Video
Wenn das Elektro-Love-Mobil keine „Power“ hat …
Video (0:54 Min)
Manfred Popp
Elektromobilität im Energie-Konzept der Bundesregierung mit Prof. Dr. Manfred Popp
Video (2:40 Min),
Alle reden vom Elektroauto, aber wer wird eines kaufen? Was sind die Vorteile, welche Kosten entstehen?

Nach Aussage einer Studie des ADAC [1] sind Elektroautos mit dem derzeitigen Strommix in Deutschland nicht „grüner“ als Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben. Die Lebenszyklusanalyse (Gesamt-Ökobilanz) sei aufgrund des Bereichs Entsorgung der Batterien noch nicht erforscht. Umwelt- und Klimaschutz sprechen im Moment also noch nicht für ein Elektrofahrzeug, wenn man von dem Vorteil der Emissionsentlastung in Ballungsräumen absieht. (Siehe dazu auch Aktualisierung vom 21. Feb. '12.)

Ferner stehen der weiteren Verbreitung laut ADAC auch die Vielfalt der Modelle aus Klein- oder Kleinstserien entgegen. Erst langsam setze sich in der Öffentlichkeit die Meinung durch, dass E-Autos keinen Verzicht auf Sicherheit und Fahrvergnügen bedeuten. Auch ein Elektroauto könne passiv sicher und mit aktiven Sicherheitssystemen wie ESP oder ABS etc. ausgerüstet werden. Und im Beschleunigungsvermögen stellt ein Elektromotor den Benziner leicht in den Schatten.

Als entscheidendes Kaufhemmnis nennt die ADAC Studie die begrenzte Reichweite der Elektrofahrzeuge. Denn unter den in der Studie getesteten 13 Wagen schaffen nur zwei – nämlich der Opel Ampera und der Toyota Prius Plug-in – mehr als 200 km Reichweite. Weiter verringert wird die Reichweite durch Komfort wie die Zuschaltung der im Winter notwendigen elektrischen Heizung oder der Klimaanlage, sowie das Fahren mit höherer Geschwindigkeit, z. B. auf der Autobahn.

Neben dem für die Nutzer von Elektroautos wichtigen Faktor Reichweite ist die hohe Ladedauer von oft mehr als 6 Stunden bei 240 Volt und den hohen Anschaffungskosten das zweite Hemmnis, das einer raschen Verbreitung der Elektroautos entgegen steht.

So gut die Beschleunigungswerte sind, bei der Höchstgeschwindigkeit muss man kompromissbereit sein: Die Höchstgeschwindigkeit variiert bei 9 der rein elektrisch betriebenen Kfz zwischen knapp über 100 und 150 km/h. Zwei Kleinwagen erreichen gerade einmal 100 km/h.

Der Stromverbrauch schwankt dabei erheblich: Der Mitsubishi iMiEV benötigt:

  • innerorts 11,3 kWh,
  • ausserorts 15 kWh und
  • auf der Autobahn 24,6 kWh jeweils pro 100 km/h.
  • 13,5 kWh gibt der Hersteller als Durchschnittsverbrauch an,
  • 16,9 kWh ermittelte der ADAC im Eco-Test als Durchschnittsverbrauch.

Mit einer durchschnittlichen CO2-Emission von 565 g/kWh bei der Stromerzeugung in Deutschland 2009 [4] ergeben sich bei einem Durchschnittsverbrauch von 16,9 kWh für 100 km Fahrtstrecke die Emission von 95,48 g pro Kilometer. Der Mitsubishi Colt 1.1 ClearTec Inform emittiert hingegen bei einem Verbrauch von 4,9 Litern Superbenzin nur rund 115 g/km CO2. Im Vergleich emittieren konventionelle Autos also „nur“ rund 20 % mehr CO2 pro Kilometer. Dieser Vorteil kann durch die Weiterentwicklung der Otto- und Diesel-Motoren in den nächsten Jahren kompensiert werden. Für den Verbraucher stellt sich auch die Alternative, 20 Prozent der jährlichen Fahrleistung einzusparen, sei es durch Fahrgemeinschaften zur Arbeit oder die Nutzung eines Fahrrads für Kurzstrecken. Finanziell günstiger ist das allemal.

Was sind beim Elektroauto die wesentlichen Kostenfaktoren:

  1. Wertverlust des Wagens
    Dieser Faktor erhält durch die hohen Anschaffungskosten besonderes Gewicht. In der ADAC-Studie werden die Anschaffungskosten – alle getesteten 13 Wagen liegen über 25.000 Euro – mit denen vergleichbarer konventioneller Modelle verglichen. Es wundert nicht, dass Aufpreise von 50 % (Renault Fluence) bis zu 300 % (Ford Ka) für die Elektroautos die Wahl der Kunden auf konventionelle Pkw fallen läßt. Ob man einen Wagen für 10.000 Euro oder 40.000 Euro ersteht, ist wohl für die meistern Kunden DAS Argument in der Überlegung, zumal die übergeordneten Vorteile gering sind und für den Nutzer fast nur Nachteile entstehen.
  2. Die Lebensdauer der Batterie
    Sie ist eine der noch weitgehend unbekannten Größen in der Wirtschaftlichkeit von Elektroautos. Hoffnung macht hier die Sendung Frontal 21 des ZDF vom 19. Juli 2011, in der mehrere gebrauchte Elektro-Autos mit den Baujahren 2001 bis 2002 gezeigt wurden, die noch mit der vom Hersteller eingebauten Batterie fahren. [2]
  3. Strompreis
    Aufgrund sieben Faktoren wird der Strompreis in Deutschland erheblich steigen, die ich unlängst in der Antwort auf die Frage Warum werden die Strompreise auch in Zukunft weiter steigen? für die Energie-Fakten zusammengetragen habe. Diese Aussagen werden zwischenzeitlich durch die Präsentation „Wege der Energiewirtschaft zu einer nachhaltigen Energieversorgung“ von Prof. Voß gestützt. Die Stromerzeugungskosten können sich in den nächsten 40 Jahren mehr als vervierfachen. [5] Diese Unsicherheit in der Höhe des Strompreises macht eine Berechnung der Mehrkosten des Elektroautos über die nächsten Jahre praktisch unmöglich.

Innovative Ansätze böten ggf. eine einen Ausweg – ein Vergleich: Kaum jemand kauft ein Handy „ohne Vertrag“. Erst durch die vertragliche Kopplung von Neugerät und Gesprächsgebühren bei dem der Gerätepreis auf die Gesprächsgebühren umgelegt und so über Jahre finanziert wird, scheint es für viele Kunden erschwinglich. Derartige Angebote werden auch im Bereich der Elektromobilität gemacht: das Leasing der Batterie inkl. aller Stromkosten ist bei Erwerb des MK 1E-KAT auf der Basis des Ford KA und des MK CARe500 auf der Basis des Fiat 500 für 178,50 Euro/Monat möglich. Das Leasingangebot des Peugeot iOn (vergleichbar mit dem Peugeot 107) beinhaltet bei einer Vertragslaufzeit von 48 Monaten und einer Fahrleistung von jährl. 10.000 km alle Wartungs- und Verschleißkosten (Bremsen, Räder und andere Bauteile). Sogar Winterräder, ein Notfalldienst und zweimaliges Abschleppen – auch bei leerer Batterie – sind im Paket enthalten. Die Garantie auf die Batterie beträgt 5 Jahre bzw. 50.000 Kilometer, so dass sich der Leasingnehmer (außer der Ladung der Batterie) keine Gedanken um die Batterie machen muss.

Gleichen sich hoher Anschaffungspreis und geringer Betriebspreis aus?

Der Vergleich der Strom- bzw. Kraftstoffkosten weist auf die unterschiedliche Kostenstruktur von Pkw mit Benzin-, Supertreibstoff und Elektroauto hin:

Kostenstruktur unterschiedlicher Antriebssysteme
Kostenstruktur unterschiedlicher Antriebssysteme
(Download pdf, 900 kB, Datenquelle: [1], eigene Grafik)

Der Mitsubishi iMiEV benötigt beispielsweise für 60.000 km knapp 2.000 Euro für Strom. Der vergleichbare Mitsubishi Colt 1.1 ClearTec Inform benötigt für die gleiche Fahrleistung Treibstoff für mehr als 4.000 Euro. Das Elektroauto ist also bei hohen Fahrleistungen günstiger, wegen der geringen Reichweite ist aber dazu gerade nicht prädestiniert.

Die Gesamtkosten für 4 Jahre (inkl. Steuern, Haftpflicht, und Vollkasko) berechnet der ADAC anhand des Peugeot iOn und seines Pendants, des Peugeot 107: Mit rund 700 Euro liegen die monatlichen Kosten des E-Autos mehr als doppelt so hoch wie „der Benziner“ mit knapp über 300 Euro.

Bei dem derzeitigen Treibstoff- und Strompreisen gleichen sich die Kosten somit nicht aus, auf absehbare Zeit wird das Elektroauto aufgrund des hohen Anschaffungspreises und des daraus resultierenden höheren Wertverlusts weiterhin erheblich teurer bleiben. Durch die geringe Reichweite dürfte die Ablehnung wohl verstärkt werden.

Weitere Hintergründe sowie eine Übersicht der technischen Daten der getesteten Elektroautos können der Studie „Elektroautos – Bestandsaufnahme / Kenndaten“ aus dem Februar 2011 [1] entnommen werden.

Aktualiserung nach der Präsentation des Elektro-Smart im Sept. '11

Elektro-Smart Preview Am 13. Sept. stellte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt/Main des Elektro-Smart vor. Für unter 16.000 Euro (netto) soll der Wagen ab Mitte 2012 angeboten werden. Hinzu kommt optional das Leasing der Batterie mit 60 Euro netto/monatl. Für eine vierjährige Betriebszeit entstehen dem (Privat-)Kunden also rd. 22.500 Euro (brutto). Im Interview der Präsentation betonte Zetsche, man könne bei diesem Preis „noch kein Geld verdienen“.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h soll der Elektro-Smart nach Angaben des Herstellers rund 140 km Reichweite besitzen. Die Ladung der Batterie von 20 % auf 80 % Ladestatus soll etwa 3,5 Stunden benötigen. Die Ladung einer leeren Batterie soll an einer „Normalen Steckdose“ etwa 8 Stunden dauern. Mit einer optionalen Schnelladestation, der so genannten „Wallbox“ (im Bild mit SPX beschriftet), soll das Auto in nur einer Stunde wieder komplett aufgeladen sein. [6]

Aktualisierung 21. Feb. '12: Studie des Öko-Instituts

In der Zeitung taz wurde am 30. Januar der Artikel „Umweltbilanz von Elektroautos: Öko nur gegen Aufpreis“ veröffentlicht in dem auf eine Studie des Öko-Instituts hingewiesen wird. Die taz behauptet darin „Ein neus Gutachten zeigt aber: Ohne Ökostrom sind Elektroautos eine Klimabelastung.“ … zum Artikel in der taz online (Titel und Text: taz online)
Die in der taz zitierte Studie wurde auf der Webseite des Öko-Instituts veröffentlicht: „Attraktivität und Akzeptanz von Elektroautos (pdf, rd. 1MB); Arbeitspaket 1 des Projekts OPTUM: Optimierung der Umweltentlastungspotenziale von Elektrofahrzeugen Anhang zum Schlussbericht im Rahmen der Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Elektromobilität des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit“

Siehe auch

Quellen

  1. ADAC: Elektroautos: Bestandsaufnahme/Kenndaten [pdf, rd. 150 kB]– Elektroauto-Recherche, Stand Februar 2011
  2. ZDF, Frontal 21, Die Dokumentation [Link zum ZDF], Sendung vom 19. Juli 2011
  3. Warum werden die Strompreise auch in Zukunft weiter steigen?
  4. Entwicklung der spezifischen Kohlendioxid-Emissionen des deutschen Strommix 1990-2009 und erste Schätzung 2010; Umweltbundesamt: http://www.umweltbundesamt.de/energie/archiv/co2-strommix.pdf (pdf)
  5. Wege der Energiewirtschaft zu einer nachhaltigen Energieversorgung; (pdf, rd. 2,5 MB) von Prof. Dr. A. Voß, Institut für Energiewirtschaft und rationelle Energievesorgung, Universität Stuttgart, Herausgeber der Energie-Fakten.de
  6. Smart.de

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