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Energie-Fakten.de > Schwerter zu Pflugscharen – Megatonnen zu Megawatt. Kann Atomwaffenmaterial für friedliche Zwecke genutzt werden? |
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Schwerter zu Pflugscharen – Megatonnen zu MegawattKann Atomwaffenmaterial für friedliche Zwecke genutzt werden?Von Hans-Jörg Wingender Dieser Artikel wurde mehrfach aktualisert. Zwischenzeitlich wurde er durch zusammenfassendes Hintergrundmaterial ergänzt. Siehe unten. Hier die Fakten (vereinfachte Kurzfassung) Die Großmächte hatten während des Kalten Krieges riesige Mengen an Atomsprengköpfen angesammelt. Insbesondere nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden Verhandlungen darüber geführt, wie die Zahl der Atomsprengköpfe reduziert werden kann und wie das Atomwaffenmaterial so aus dem Verkehr gezogen werden kann, dass es nicht mehr zur Herstellung von Atomwaffen benutzt werden kann. 1. Im START II Vertrag (1993) vereinbarten die USA und Russland, dass 500 t waffenfähiges Uran und 68 t waffenfähiges Plutonium aus den Arsenalen der Militärs herausgeholt werden. Da dieses Material mit großem Aufwand hergestellt worden war, sollte es zur Stromerzeugung benutzt werden. Daraus ergab sich das Schlagwort "Megatonnen zu Megawatt". Megatonnen ist die Einheit mit der die Sprengkraft von Sprengkörpern angegeben wird und Megawatt ist die Einheit für die elektrische Leistung. (Eigentlich müßte hier Megawattstunden stehen, weil das die Einheit für die elektrische Energie ist). Häufig wird auch das alte Motto der Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen" für dieses Vorhaben benutzt. 2. Atomsprengköpfe enthalten entweder hochangereichertes Uran, das vielfach als HEU (Highly Enriched Uranium) bezeichnet wird und zu mehr als 90 % aus dem Isotop U-235 besteht, oder waffentaugliches (weapon grade) Plutonium, das zu über 95 % aus dem Isotop Pu-239 besteht. Die bei weitem häufigsten Kernkraftwerkstypen (Leichtwasserreaktoren) werden mit schwach angereichertem Uran betrieben. Dazu wird das natürlich vorkommende Uran (Natururan) mit etwa 0,7 % U-235 Anteil in Anreicherungsanlagen auf 3 bis 5 % U-235 Anteil angereichert (LEU; Lowly Enriched Uranium). Alternativ kann sogenannter Mischoxidbrennstoff (MOX-Brennstoff) eingesetzt werden. Dazu wird Plutonium, das aus der Wiederaufarbeitung von abgebranntem Kernbrennstoff stammt und etwa 65 % Pu239 enthält, mit nicht angereichertem Uran (Natururan) vermischt. Der Plutonium-Anteil beträgt darin etwa 5 %. Will man MOX-Brennelemente einsetzen, müssen die Kernreaktoren u.a. bezüglich Abschaltsicherheit, Nachwärmeabfuhr und Kritikalitätssicherheit spezielle Anforderungen erfüllen. 3. Aus Atomwaffenmaterial läßt sich im Prinzip ganz einfach Kernbrennstoff machen: man vermischt das hochangereicherte Kernwaffenmaterial mit nicht angereichertem Uran (z. B. Natururan) und schon hat man eine Zusammensetzung, die dem Kernbrennstoff entspricht. In der Praxis ist es dann doch nicht ganz so einfach, weil man zunächst das Material in die richtige chemische Form bringen muss und weil der Umgang mit dem Material entsprechende Sicherheitsmaßnahmen erfordert. 4. Eigentlich müßten sich doch alle friedliebenden Menschen freuen, wenn aus einem Zerstörungspotenzial (Atomwaffen) nützliche elektrische Energie wird. Trotzdem hört man viel Kritik.
5. Bei der Verarbeitung von waffenfähigem Uran sind Erfolge erzielt worden. Russland liegt sogar vor dem ursprünglichen Zeitplan. Bisher (Oktober 2001) wurden etwa 120 t Waffen-Uran zu Brennstoff verarbeitet; das ist etwa der Inhalt von 5000 Sprengköpfen. Beim Plutonium gibt es außer viel Wind noch nichts Konkretes. Das Plutonium ist auch ideologisch stärker belastet. Ausblick Wir hoffen, daß dieses Programm wirklich abgeschlossen wird. Leider befindet sich in den Arsenalen der Militärs noch viel mehr Atomwaffenmaterial, so daß dieses Programm zwar die richtige Richtung vorgibt, das Gefahrenpotenzial aber nur unwesentlich verringert. Aktualisierung (Februar 2004)Die Situation in den beiden Programmen zur Rückführung von Nuklearwaffenmaterial als Brennstoff für Kernkraftwerke hat sich seit dem Bericht von 2001 nicht wesentlich verändert. Während das Uranprogramm (Megatonnen zu Megawatt) weiterhin wie geplant fortschreitet, stagniert das Plutoniumprogramm (Schwerter zu Pflugscharen) wieder einmal. Dazu hier zwei kurze Meldungen: 1. BombenuranMegatonnen zu Megawatt - Waffenuran zu Strom 2. BombenplutoniumSchwerter zu Pflugscharen - Waffenplutonium zu Strom 2. Aktualisierung (Februar 2007)1. Vorbemerkung/EinleitungDie Situation in den beiden Programmen zur Rückführung von Nuklearwaffenmaterial als Brennstoff für Kernkraftwerke hat sich seit 2001 nicht wesentlich verändert. Während das Uranprogramm (Megatonnen zu Megawatt) weiterhin wie geplant fortschreitet, stagniert das Plutoniumprogramm (Schwerter zu Pflugscharen) immer noch. Langfristig angelegte politische Prozesse wie eben diese beiden Programme sind immer in Gefahr, unvorhersehbaren politischen Entwicklungen wie etwa der Entfremdung der entscheidenden Beteiligten oder der Verlagerung von Interessenschwerpunkten zum Opfer zu fallen oder geopfert zu werden. So etwas ist anscheinend hier noch nicht vorgekommen. Allerdings sind in beiden Fällen in den vergangenen drei Jahren Ereignisse eingetreten, die den Projekten zeitweilig bewegte oder gar dramatische Dynamik verliehen haben. Auslöser dafür waren bisher
Hier ist nicht der Ort, diese Zusammenhänge darzustellen. 2. Waffenuran2.1 Das US-russische Programm Megatonnen zu MegawattDie Umwandlung von waffenfähigem, hoch-angereichgertem Uran (HEU) aus russischen Nuklearwaffenbeständen zu niedrig angereichertem Uran (LEU) für die Verwendung als Brennstoff in Leichtwasserreaktoren (LWR) in den USA zur Stromerzeugung wurde trotz gelegentlicher juristischer, wirtschaftlicher und innenpolitischer Schwierigkeiten ziemlich nach Plan abgewickelt. Die Tabelle 1 und die Diagramme 1 und 2 zeigen deutlich den nahezu ungebrochen linearen Fortschritt des Programms bis Ende 2006. Es ist daher davon auszugehen, daß auch weiter nach Plan vorgegangen werden wird und Ende 2013 die Menge von 500 t HEU umgewandelt und 20 000 Gefechtsköpfe vernichtet sein werden. Zur weiteren Vertiefung wird auf die NUSEC Web-Adresse www.nusec.com verwiesen. Der politische Wille zum Erfolg des Programms ist bei beiden Partnern ungebrochen. Dazu hilft sicher nicht unwesentlich die Tatsache, daß dieses Programm wohl das einzige Abrüstungsprogramm ist, das kein Geld kostet sondern beiden Seiten direkte finanzielle Ergebnisse bringt. Die etwa 12 Milliarden US$, die für den Brennstoff an Russland gezahlt werden, dienen dort zur Umstrukturierung der Verteidigungsindustrie, zur Stärkung der Wirtschaft, zum Ausbau der Nuklearindustrie und vermutlich auch zu weniger erwünschten Zwecken.
Tabelle 1: Projektverlauf: Ist-Stand von 1994 bis 2006 und Planung (Schätzwerte von USEC) von 2007 bis 2013 (Quelle: USEC, www.usec.com)
Diagramm 2: Anzahl der im Projekt von Russland vernichteten nuklearen 2.2 EinflußgrößenKonkurrenten
2.3 Das US-HEU AbreicherungsprogrammIm Jahr 1996 erklärte die US Regierung 174,3 t hoch angereicherten Urans (HEU) zu militärischem Überschußmaterial. Es stammt hauptsächlich von verschrotteten Gefechtsköpfen. Bis September 2006 wurden davon in zwei Programmphasen insgesamt 64 t HEU zu 1050 t LEU (schwach angereichertes Uran) umgewandelt. Damit kann ein Reaktor mit der Kapazität von 1000 MWe über etwa 50 Jahre betrieben oder der Strombedarf einer Stadt wie Boston 43 Jahre lang gedeckt werden. 2.4 Einige Worte über die Zukunft
3. WaffenplutoniumIm Oktober 2006 veröffentlichte die Zeitschrift atomwirtschaft nachfolgende Mitteilung Amerikanisch-russisches Plutoniumabkommen bestätigt Der amerikanische Energieminister Samuel W. Bodman und der Leiter der Russischen Föderalen Agentur für Atomenergie (Rosatom), Sergei Kirijenko, haben mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung am 13.07.2006 unterstrichen, je 34 t Plutonium aus militärischen Beständen zu Kernbrennstoff zu verarbeiten. Beide Staaten besitzen ungefähr je 100 t dieses Materials. Andererseits häufen sich seit Mitte 2006 Meldungen, daß das Plutonium-Verwertungsprogramm (Schwerter zu Pflugscharen) vor dem Kollaps stehe. In den USA sind die Kosten der beiden erforderlichen Anlagen (eine zur Abtrennung der Plutoniumteile aus den Sprengköpfen und eine zur Fabrikation des Mischoxid- (MOX)-Brennstoffs) innerhalb von fünf Jahren gegenüber den anfänglich projektierten Zahlen immens gestiegen: von ca. 0,5 auf 2,0 Milliarden US$ für die Demontage der Sprengköpfe beziehungsweise von 0,8 auf 4,7 Milliarden US$ für die Anlage zur MOX-Fertigung. Der Bau der entsprechenden Anlagen in Russland steht in den Sternen. Russland ist anscheinend an der MOX-Herstellung für LWR nicht mehr interessiert, sondern will das Plutonium direkt in einem Brutrektor verbrennen. Um das US-Mißfallen an der russischen Haltung zu demonstrieren, hat ein Senatskomitee 35 Mio. US$ gestrichen, die einen Anschub für das russische Programm geben sollten. Die Meldungen zum Plutoniumabkommen sind zur Zeit in Teilen widersprüchlich, in Teilen bestätigend. Es gibt gegenwärtig keine gesicherte Information über das Programm außer, daß es stagniert. Weitere Informationen können Sie der Langfassung entnehmen. Ein kostenfreies Programm zur Darstellung und zum Ausdruck von PDF-Dateien und zusätzlichem Browser Plug-In zur On-Line-Darstellung in Ihrem Browser erhalten Sie zum Beispiel unter folgenden Adressen:
Siehe auch:
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