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Von Klaus Theißing (klaus theissing@energie-fakten.de)
Antwort
Resignierend sagte meine Großmutter stets: „Alles wird teurer – was will man man machen?“ Mit dieser Feststellung hat sie bisher nahezu immer recht behalten.
In dieser Antwort sollen keine exakten Preise vorgerechnet werden, sofern dies überhaupt mittelfristig möglich ist. Vielmehr sollen die Einflussgrößen dargestellt und erläutert werden. Denn insbesondere beim Strompreis gibt es einige Fakten, die nicht auf auf kurz- und mittelfristige Preissenkungen hindeuten – ganz im Gegenteil.
- Viele Steuern liegen auf dem Strom
Mit einem Steueranteil von rund 41 % dürfte sich der Strompreis bei zukünftigen Steuererhöhungen ebenfalls stark erhöhen. (Eine Aufschlüsselung des Strompreises finden Sie in der Antwort auf die Frage Wie setzen sich die Strompreise zusammen (Stand 2006)?) Weitere Materialien: siehe auch Aktualisierung unten.
- Erneuerbare Energien
Jährlich wächst der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung. Die Energieversorgungsunternehmen vergüten den Herstellern diesen Strom mit Einspeisevergütungen, die über den Gestehungskosten anderer Quellen liegen. Zwar sinken die Einspeisevergütungen mit den Jahren, jedoch steigt der Anteil der regenerativen Energien beständig. „Unter dem Strich“ steigt so der sich jährlich ändernde zu entrichtende Obolus, der derzeit bei 2,047 Eurocent/kWh liegt. In den Medien [1] wird für das Jahr 2011 die Ökostrom-Umlage in höhe von 3,5 Eurocent/kWh kolportiert. Das wäre die sensationelle Steigerung um rd. 58 %, die für einem Haushalt Mehrkosten in Höhe von rund 3500 kWh • 0,015 Euro/kWh = rd. 50 Euro pro Jahr mit sich bringen.
- Ausbau der Netze
Aufgrund der Verlagerung der Strom-Produktion in die Windparks an und in der Nord- und Ostsee, werden neue Leitungen und „stärkere“ Stromnetze zum Transport des Stroms in die Verbrauchszentren den Südens benötigt. Die Netzkosten steigen also, dies wird sich im Strompreis niederschlagen.
Näheres: Welche Folgen hat der Ausbau Erneuerbarer Energien für unsere Stromversorgung?
- Smart Grids
Das Stromnetz soll intelligenter werden. Das Ergebnis, ein „intelligentes Netz“ – auch oft „smart grid“ genannt – in dem z. B. Elektroautos „auf Befehl“ Überschussstrom laden sollen, wird erhebliche Investitionen mit sich bringen, die auf den Strompreis umgelegt werden dürften.
Näheres: Energie-Fakten -> Bereich Intelligente Netze / smart grids
- Reservekraftwerke (Regelleistung)
Wenn der Wind mal nicht so bläst, sollen auch zukünftig „die Lichter“ nicht ausgehen. Dazu werden fossile Kraftwerke im Hintergrund mit nicht optimalen Wirkungsgraden betrieben. Das kostet zusätzlichen Brennstoff und uns letztendlich auch zusätzliches Geld. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung steigt, so dürfte sich auch dieser Kostenfaktor zukünftig stärker auswirken.
- Kernbrennstoff-Steuer
Die Steuern auf Kernbrennstoffe – insges. 2,3 Mrd. Euro jährlich – werden wohl ebenfalls auf die Verbraucher umgelegt werden. (Siehe auch [2])
- Kraftwerkspark
Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie gibt man diejenigen Reservekraftwerke auf, die den geringsten Anteil an Brennstoffkosten aller Kraftwerke haben. Der Einstieg in die (geförderte) Kraft-Wärme-Kopplung geschieht meist auf der Basis Erdgas. Die Brennstoffkosten von Gaskraftwerken (z. B. GuD) sind aber DER wesentliche Faktor der Stromgestehungskosten. Mit steigender Volatilität der Preise für Brennstoffe oder auch einem generell steigendem Preisniveau dürfte der Strompreis erheblich stärker als bisher steigen. (Siehe auch [3])
Fazit
Alle genannten sieben Faktoren deuten auf steigende Strompreise hin. Es scheint also, Großmutter würde recht behalten.
Aktualisierung
Ein Leser wies mich zurecht darauf hin, dass man die unter Punkt 1 angesprochenen Steuern aufschlüsseln sollte. Die folgenden Materialien des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) stellen die Abgabensituation dar:
- Entwicklung der Staatslasten seit 1998 bis 2011 (pdf, Link zum BDEW)
- Stromrechnung für Haushalte: Rund 41 Prozent Staatsanteil; Durchschnittliche Stromrechnung eines Drei-Personen-Musterhaushalts im Monat in Euro für die Jahre 1998 bis 2010
(Schätzung BDEW: Stand 1. Halbjahr 2010; Link zum BDEW)
- Durchschnittliche Zusammensetzung des Haushaltsstrompreises (Stand: erstes Halbjahr 2010; pdf, Link zum BDEW)
Quellen
- ZDF: Webseite: „Heute“ (Link zu heute.de vom 14. Okt. 2010)
- Welche Folgen hat die „Brennelemente-Steuer“? Was kostet den Stromkunden die vom Bundeskabinett beschlossene neue Steuer auf Brennelemente?
- Wie ist der Kostenanteil von "Yellow Cake" (Uran) an den Geamtbetriebskosten eines Kernkraftwerkes?
Siehe auch
Eine Langfassung diese Textes ist nicht geplant. Dieser Text wurde am 15. Okt. 2010 veröffentlicht und am 18. Okt. aktualisiert.
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